Holding back the years
August 7, 2007
The 80s Flashback

1984
Kein zurück für dich – There´s no way back
Es war ein eigenartiges aber schönes Beziehungs-Ritual. Meine Freundin Patrizia und ich amüsierten uns prächtig jeden Dienstag Abend über die perfiden Intrigenspiele im US-Serienhit „Dallas„. Anschließend schlenderten wir verliebt durch die Innenstadt unserer Heimatmetropole und genossen die Freiheit und uns.
So auch am Dienstag Abend des 13. April 1984. Nach der dramatischen Dallas Episode „Bobby schlägt zurück“ erlebten wir beide in unserem Lieblingscafe das Radiodebüt der ersten Propaganda Single „Dr. Mabuse“. Von da an liebte ich nicht nur Patrizia. Auch Propaganda Sängerin Claudia Brücken ließ mein Herz bedeutend höher schlagen. Ihre unterkühlte, gefühlvolle und souveräne Stimme berührt mich auch heute noch zutiefst.

Neben ihrer Solo-Karriere feierte Claudia Brücken ihre größten Erfolge mit Propaganda, Act und OneTwo.
Die Düsseldorfer Pop-Avantgarde Formation Propaganda war in den 80er Jahren eine der international erfolgreichsten und geachtesten Bands aus Deutschland. Zwei Jahre nach ihrer Gründung wurde das englische Kultlabel ZTT Records 1984 auf die Deutschen aufmerksam und produzierte mit Hilfe der Producer-Legende Trevor Horn (Frankie Goes To Hollywood, Art of Noise, ABC, New Order, Pet Shop Boys, Seal) das fabulöse Debüt-Album „A Secret Wish“. Das Werk gilt weltweit bei Kritikern als eines der besten Alben der elektronischen Popmusik.

Propagandas Musik-Stil und ihre eigensinnigen Inszenierungen waren stets betont provokant und unterkühlt. Für die für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich gewagt in Szene gesetzte Cover- und Videogestaltung zeichnete sich Star-Fotograf und Regisseur Anton Corbijn verantwortlich.

Nach der Fertigstellung des Remix-Albums „Wishful Thinking“ führten Differenzen innerhalb der Band und ein Rechtsstreit mit dem Label im Jahre 1986 dann zum Ausstieg von Claudia Brücken und wenig später von Ralf Dörpel. Für Propaganda war dies das kommerzielle Aus. Das 1990 in teilweise neuer Besetzung eingespielte Album „1234″ blieb weit hinter den Erwartungen zurück und ließ Propaganda in die Bedeutungslosigkeit abstürzen.

Im Gegensatz zu den beiden ersten Werken sind die Songs auf „1234″ deutlich seichter und poppiger arrangiert. Als Highlights gelten die erste Single-Auskopplung „Heaven Give Me Words“ und „Your Wildlife“. Auch wenn mit Betsi Miller eine talentierte Sängerin gefunden wurde, erinnerte „1234″ kaum noch an den ursprünglichen Propaganda-Stil.
Leider scheiterten auch die jüngsten Reanimations-Versuche der Band. Propaganda ist tot. Lang lebe Propaganda.
Propaganda Dr. Mabuse
Propaganda Duel
Propaganda P-Mashinery
Propaganda Dream Within A Dream
Zu Ehren ihres Producers Trevor Horn traten Propaganda im November 2004 in der Londoner Wembley Arena erstmalig wieder in Originalbesetzung auf. Die sensationelle Live-Performance war einer der absoluten Höhepunkte der Jubiläumsveranstaltung Prince´s Trust. Horn feierte mit den von ihm produzierten Acts wie Yes, Frankie Goes To Hollywood, Pet Shop Boys, Lisa Stansfield, t.A.T.u. und Seal sein 25-jähriges Bestehen als Musiker und Produzent.
Propaganda
Dr. Mabuse
(Live at Prince´s Trust 2004)
Pet Shop Boys
Left To My Own Devices
(Live at Prince´s Trust 2004)
t.A.T.u.
All The Things She Said
(Live at Prince´s Trust 2004)
Seal
Kiss From A Rose
(Live at Prince´s Trust 2004)
Yes
Cinema | Owner Of A Lonely Heart
(Live at Prince´s Trust 2004)
What a night!
Je t’embrasse, Le Conférencier