Wir sind der Zukunft Mitgestalter. Computer
könn´ wir konstruiern, die auf Befehle reagiern. Es könnte sein, daß es passiert, wenn sie von falscher Hand geführt, daß sie vernichten nuklear, die Welt wie einst Hiroshima. Der Countdown läuft…

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Es war an einem heißen Sommertag im August 1983, als ich mit meiner damaligen Freundin Patrizia in den Dünen von Wangerooge lag und im Radio den Song „Computerkarriere“ hörte. Es hat mich mächtig beeindruckt und auch erschreckt, mit welch einfachen Worten der bevorstehende Atomkrieg beschrieben wurde. Und das ausgerechnet noch von den Puhdys aus der DDR. Es herrschte seinerzeit der berüchtigte Kalte Krieg zwischen Ost und West. Die UdSSR richteten gerade ihre Raketen Richtung West-Deutschland. Wahrscheinlich wurde auch in diesem Moment die totale Vernichtung von Wangerooge durch die sowjetische Millitärspitze beschlossen.

Zugegeben, Patrizia wusste, wie man mich vorübergehend zum Vergessen bringen konnte. Aber eben nur vorübergehend. Am Abend kam das beklemmende Gefühl der heraneilenden Apokalypse wieder zum Vorschein. Im gemütlichen Inselkino wollten wir eigentlich Roger Moore in „Octopussy“ genießen. Dummerweise gab es erst eine einstündige Dokumentation und Vorschau auf „The Day After“. Noch heute läuft es mir bei diesem Film eiskalt den Rücken herunter.

Nach der Vorstellung traf ich eine schwerwiegende Entscheidung. Anstatt den Abend mit Patrizia in den Dünen ausklingen zu lassen, spielte ich sämtliche Atomkrieg-Verteidigungsvarianten auf meinem C64 im Aufenthaltsraum unserer Pension durch. Auch wenn ich tatsächlich alle Levels von „World War 3“ und der Vorab-Version von „Raid over Moscow“ in nur einer Nacht schaffte – sicherer fühlte ich mich immer noch nicht.

Am Tag danach besuchten wir eine Jugendveranstaltung im Großen Kursaal. Aus den 2000 Watt Boxen wummerte New Orders Pop-Hymne „Blue Monday“ und nahm mich mit auf eine prägende Kopfkino-Reise. Ich sah mich und Patrizia nackt in den Dünen von Wangerooge liegen. Im Angesicht eines gerade aufblühenden Atompilzes. Wir strahlten uns ein letztes Mal an. Was für ein Abgang.

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Wangerooge im Sommer 1983
Weißt Du noch Patrizia?
Sie spielten „Living On Video“ von Trans X.

Seit 24 Jahren habe ich nicht an diese Begebenheit gedacht. Doch seitdem Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad den Westen mit seinem eigensinnigen Atomprogramm ängstigend vor sich hertreibt, schleicht sich auch bei mir langsam aber sicher jenes unwohle Gefühl ein, welches mich 1983 beinahe um meine erste Liebe gebracht hätte.

Abgestumpfter, aber nicht weniger interessiert, beobachte ich die neue Dimension eines drohenden Atomkonfliktes. Irans Bodenschätze sind wesentlich verlockender für die USA, als die der Nord-Koreaner. Daher sollte keiner an der Entschlossenheit von Bush und seinem Gefolge zweifeln, sich schnellstmöglich die nächste Groß-Tankstelle zu sichern.

Leider haben weder Mahmud noch George W. jemals Paul Hardcastles „Voices of the world“ gehört oder John Badhams „War Games“ gesehen. Musiker und Regisseur kommen in ihren Werken zum selben nüchternen Ergebnis: Es gibt keine Sieger in einem Atomkrieg.

Je t’embrasse, Le Conférencier